Zurück in der Zeit.

Ich bin verheiratet. Manchmal verlobt. Manchmal, da bin ich auch nur vergeben. Der Grad meiner Liebe kommt auf die Art seiner Besessenheit an. Seiner Aufdringlichkeit. Ein Gemisch aus Reichtum und Schönheit, es wird uns immer wieder gesagt, hinterhergerufen. Ob beim Laufen in Sportklamotten, mit zerzausten Haaren und einem roten, schwitzigen Gesicht, oder wenn wir zusammen den Malécon entlangschlendern. Es regnet, und wir sind genervt – Küsse von rechts, von links. Man bleibt stehen, macht einander aufmerksam und… gafft. Wir müssen durch ein Labyrinth, wissen nicht vor, doch gehen nicht zurück. Suchen nach dem Ausgang, laufen los, wollen weg. Haben keine Lust mehr, das Stück der Begierde zu sein, und so behandelt zu werden, als stünden wir ganz weit unter ihnen. Nichtig.

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Die Hitze steht in den Straßen, köchelt vor sich hin. Stille Schatten, kaputte Häuser, unebene Wege. Viele Menschen, verschiedene Hautfarben und wenig Toleranz. Wer sind wir hier? Wo wollen wir hin? Zurück in der Zeit.

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Wir flüchten in ein Café, setzen uns in die Ecke an einen freien Tisch. Überall qualmt es, doch niemanden stört es. Autos fahren durch die kaputten Straßen, vorbei an Häusern ohne Fenster. Ein Hund trinkt aus einer verschmutzen Pfütze, das Wasser steht in den Straßen. Der Auspuff der Oldtimer spuckt schwarzen Rauch in die Luft. Tote Tiere. Kleine und große Kinder spielen auf den Straßen, zusammen und alleine. Und wieder die Rufe, Menschen, die sich in den Weg drängen, und uns sagen, wie schön wir nicht sind. Männer jeden Alters. Jeder Hautfarbe. Werden lauter, weil wir nicht hinhören. Schreien uns an. Stehen in Gruppen dort. Fassen an, ohne zu fragen. Doch stehen dort allein.

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Der Qualm stört mich. Doch trinken wir das Getränk, auf Kuba produziert, da der Rest mal wieder „aus“ war. Se acabó. Zahlen ein Trinkgeld, was wir nicht zahlen möchten, für einen Service ohne Worte, bestehend aus unfreundlichen Blicken. Wir gehören hier nicht hin. Sind nicht erwünscht. Man möchte uns über den Tisch ziehen, verlangt Preise, die einfach nur noch unfreundlich sind und ist sauer, wenn wir es nicht annehmen. Verletzt. Obwohl wir die gleiche Sprache sprechen, verstehen wir uns nicht.

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Und trotzdem bin ich hin und weg. Von den kaputten Straßen, zerfallenden Hauswänden. Von der Hitze, die sich am Malécon doch genau richtig anfühlt, vermischt mit dem Meeresduft und einer frischen Brise Wind. Von den Pferdekutschen, und den Oldtimers, die durch die Straßen ziehen.

Während wir uns einen Weg durch das Land suchen, finden wir wunderbare Natur vor. Tabakfelder, durch die wir reiten. Ein Naturpool, in den wir springen. Kaffeeplantagen und viele Cowboys. Hier wirkt es so, als stünde die Zeit still. Denn irgendwie, da geht es darum, den Moment zu genießen. So singen wir Lieder, während wir auf dem Rücken der Pferde durch die Weite des wunderschönes Landes reiten. Und dann wagen wir uns in eine Höhle, dunkel wie die Nacht. Und schwimmen los, in bitterkaltem Wasser, was ebenso pechschwarz ist, wie das innere der Höhle. Schwimmen bis ans Ende, doch trauen uns nicht weiter. Gewöhnt an die Kälte verharren wir im Inneren und genießen. Lassen uns an der Oberfläche treiben. Die Zeit steht einen Moment lang still.

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Und Clara sieht Schweine. Viele Schweine. Clara freut sich über Schweine.

Ich bin fasziniert, davon, dass es aber doch Männer gibt, die mit mir Stunden warten, am Flughafen. Nachts. Und es ihnen einfach nichts ausmacht. So laden sie mich ein, erzählen mir von ihrem Leben. Ihren Eindrücken und Gefühlen. Die Einblicke, die sie mir schenken, zeigen mir, wie groß das Herz der Kubaner doch ist. Wie ehrlich und bodenständig sie sind. Doch verletzt. Frustriert. „Wir sind nicht alle so, wie ihr es hier erlebt. Es gibt immer Schwarz und Weiß. Und dazwischen sind eben ganz viele Abstufungen von Grau.“

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Und dann der Blick, als ich dir ein Trinkgeld gebe. Einfach, weil es sich richtig angefühlt hat. Weil ich dankbar bin, dafür, dass der Start in diese Reise so perfekt war. Ein Oldtimer, große Herzen und offene Menschen. Dankeschön.

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2 Kommentare

  1. So ein toller Beitrag, Phine. Lädt wirklich zum Eintauchen ein, weil er so schön lebendig geschrieben und wunderbar bebildert ist. ♥

    1. Danke Dir, Lisa! 🙂 Freut mich total, dass es dir gut gefällt! 🙂

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