7 Wellen

Sie kommen in regelmäßigen Abständen, meist sind es 7 hintereinander. Erklären kann ich es nicht. Beruhigend, und doch angsteinflößend. Das Meer lässt die Spuren, die wir im Sand hinterlassen, verschwinden. Spült sie davon. Das, was bleibt, ist eine glatte Oberfläche. Ein unbeschriebenes Blatt. Unberührt. Es gibt uns eine neue Chance. Neue Erinnerungen zu sammeln. Auf Zeit.  

Wir laufen alleine, zu zweit. Tapsen vorsichtig durch den kühlen Sand, bis uns das kalte Wasser an den Füßen erwischt. Laufen los. Immer der Sonne entgegen. Strahlen mit ihr um die Wette.

Während ich vor ein paar Tagen noch den Sonnenuntergang am Horizont genoss, ist es heute der Sonnenaufgang. Das raue Meer, die Felsen, die Mauer, die den Strand von der Straße trennt, all das wurde eingetauscht. Hier ist alles anders. Feiner. Glatter. Perfekter. 

Doch mir fehlen die Wellen, die gegen die Steine preschen, der Wind, der so viel Salz mit sich bringt, dass man es auf den Lippen spürt. Surfen zu gehen, jeden Tag. Im dicken Neopren-Anzug, und für einen Moment lang zu frieren, wenn man in das kalte Wasser eintaucht. Mit einem Lächeln auf dem Board zu stehen, und ein Freudenschrei des Surflehrers, der ein paar Meter entfernt im Wasser friert. Die Stille und das Rauschen. Der Ozean, so weit wie das Auge nur reicht. Freiheit. Verloren habe ich mein Herz, an einen Ort – der sich ab dem ersten Moment an wie ein zu Hause anfühlte.

Kontraste der Realität. 6 Flugstunden später sitze ich in einem Land, das mir so fremd wirkt. Voller neuer Ideen springe ich in das warme Wasser und erkunde eine andere Welt, die so faszinierend, unerforscht und wunderschön ist. Andere Welten. Ich schwimme mit riesigen Schildkröten um die Wette, sehe Fischschwärme, die in den verschiedensten Farben leuchten. Und bin auf der Suche nach Nemo.
Ich lasse mich treiben, kann unter Wasser atmen. Einfach nur so, es fühlt sich gut an, doch da es neu ist, wirkt es so anders. Ich bin weg, aus meiner Komfortzone, die jedoch anfangs für mich keine war. Umarme ein letztes Mal, und tausche die warmen Klamotten gegen kurze Kleider ein. Den Neoporen gegen einen neuen Bikini. Und verbrenne. Vermissen.

Und dann verbrenne ich so richtig. Passe nicht auf, während ich genieße. Spontanität. Ein Lächeln. Leidenschaften, und ich bin hin und weg. Die Welt, die sich mir offenbart, ist so fremd und doch so vertraut. Denn die Meere sind nicht erforscht, die Ozeane an vielen Stellen verlassen.

Doch ich schwelge in Erinnerungen, an eine ähnliche Erfahrung. Komfort.

Ich lerne mich selbst neu kennen. Fange an, der wichtigsten Person in meinem Leben zu vertrauen. Und erschrecke mich selbst. Denn während das Meer weiter in einem selbst bestimmten Rhythmus den Strand rein wäscht, warte ich darauf, dass die Sonne das Land in ihren Schimmer einhaucht. Denn Sonnenaufgänge habe ich lange nicht mehr gesehen. Die frische Brise lässt meinen Sonnenbrand abkühlen, die Füße tief im Sand. Es wird heller.

Während die anderen in meinem Zimmer ihren Rausch ausschlafen, tapse ich leise hinaus. Und werde belohnt.

 

 

1 Kommentar

  1. Petra Adrian sagt: Antworten

    So schöne Bilder, was du nicht alles siehst und erlebst. Das kann dir keiner mehr nehmen. Aber komm trotzdem bald mal zurück !!

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